Vorlesung Mittelalter: Byzanz im Kampf ums Überleben (641-867)
Dozent:innen: apl. Prof. Dr. Klaus-Peter TodtKurzname: VL Aufbaumodul
Kurs-Nr.: 07.068.260b
Kurstyp: Vorlesung
Voraussetzungen / Organisatorisches
Die Vorlesung ist unbenotet.Eine Gasthörerschaft ist selbstverständlich immer möglich.
Empfohlene Literatur
Frank Thiess, Die griechischen Kaiser. Die Geburt Europas. Hamburg und Wien 1960; Peter Classen, Karl der Grosse, das Papsttum und Byzanz. Die Begründung des karolingischen Kaisertums (Beiträge zur Geschichte und Quellenkunde des Mittelalters, Bd. 9). Sigmaringen 1985; Warren Treadgold, The Byzantine Revival, 780-842. Stanford, California 1988; John F. Haldon, Byzantium in the Seventh Century. The transformation of a culture. Cambridge u. a. O. 1990; Walter E. Kaegi, Byzantium and the Early Islamic Conquests. Cambridge 1992; Ralph-Johannes Lilie, Byzanz unter Eirene und Konstantin VI. (780-802) (Berliner Byzantinistische Studien, Bd. 2). Frankfurt/Main u. a. O. 1996; Wolfram Brandes, Finanzverwaltung in Krisenzeiten. Untersuchungen zur byzantinischen Administration im 6.-9. Jahrhundert (Forschungen zur byzantinischen Rechtsgeschichte, Bd. 25). Frankfurt/Main 2002; John Haldon, The Empire that Would Not Die. The Paradox of Eastern Roman Survival, 640-740. Cambridge/Mass. und London 2016; Neslihan Asutay-Effenberger und Arne Effenberger, Byzanz. Weltreich der Kunst. München 2017.Inhalt
Durch zwei mörderische Perserkriege in den Jahren 572-591 und 603-628 geschwächt, geriet das oströmische Reich mit der Offensive der muslimischen Araber gegen die gerade erst zurückeroberten Reichsprovinzen im Orient im Jahre 633 in eine schwere Krise. Bis 638 konnten die Araber Palästina und Syrien erobern, bis 642 dann auch noch Ägypten, das jahrhundertelang die Kornkammer der Reichshauptstadt Konstantinopel gewesen war. Bereits in den 40er und 50er Jahren wurde Kleinasien immer häufiger zum Ziel größerer und kleinerer arabischer Einfälle. Zu allem Übel begannen die Araber bereits in den 40er Jahren mit dem Aufbau einer schlagkräftigen Kriegsflotte, die dann 655 sogar einer von Kaiser Konstans II. geführten Flotte an der lykischen Küste eine schwere Niederlage beibringen konnte. In den 60er und 70er Jahren gingen die Araber mit Heer und Flotte zum Großangriff auf die Kaiserstadt Konstantinopel über. Aber dank einer Wunderwaffe, des legendären "Griechischen Feuers", das mit einer Art Flammenwerfer auf die arabischen Schiffe abgeschossen werde konnte, wurden die arabischen Flotten vor Konstantinopel vernichtet. In Kleinasien und bald auch in Thrakien und im heutigen Griechenland wurde ein System der Territorialverteidigung etabliert, die sog. Themen, durch die die arabischen Einfälle in Kleinasien so erfolgreich eingedämmt werden konnten, dass den Arabern keine dauerhaften Eroberungen byzantinischen Territoriums gelangen. Die existentielle Bedrohung des Reiches warf die Frage auf, ob bzw. warum Gott das Reich dem Vordringen der Feinde, zu denen 681 noch die Protobulgaren kamen, die damals im heutigen Rumänien und Bulgarien ihren ersten Staat gründeten, preisgegeben hatten. Suchte man zunächst in der monotheletischen Häresie, die 680/681 auf dem sechsten ökumenischen Konzil in Konstantinopel verurteilt worden war, den Schuldigen, so machte Kaiser Leon III. (717-741) die nach seiner Ansicht gegen das biblische Bilderverbot verstossende Verehrung der Ikonen für den Zorn Gottes verantwortlich. Das führte zum sog. Bilderstreit, der erst 843 beendet werden konnte. 717/718 scheiterte eine zweite arabische Großoffensive vor den Mauern von Konstantinopel.Angesichts der existentielle Bedrohung durch Araber und Bulgaren mussten die Kaiser in Konstantinopel Italien nach und nach den Langobarden überlassen, die 751 auch Ravenna, die Hauptstadt des byzantinischen Exarchen von Italien, erobern konnten. Die Päpste in Rom, die Gegner des byzantinischen Ikonoklasmus waren, suchten nun Schutz vor den Langobarden durch ein Bündnis mit den Karolingern, deren Usurpation der Königswürde im Frankenreich sie 751 legitimierten. Das Bündnis der Päpste mit den Karolingern führte zur Kaiserkrönung Karls Grossen am 25. Dezember 800 in Rom. In Konstantinopel bestand man jedoch bis 1453 darauf, dass der oströmische Kaiser der einzige römische Kaiser war; deshalb erkannte Kaiser Michael I. (811-813) schließlich Karl als Kaiser, aber nicht als römischen Kaiser an. Venedig und Süditalien blieben bis zum 11. Jahrhundert unter der Herrschaft des oströmischen Reiches.
Mitte des 9. Jahrhunderts hatten die Byzantiner in Kleinasien militärisch die Oberhand über die Araber erkämpft, die zuletzt noch Kreta und Sizilien erobert hatten. Zu dieser Zeit begann ein großer kultureller Aufschwung, der vor allem mit der Person des Patriarchen Photios von Konstantinopel (858-867 und 877-886) verbunden ist. Damals wurden die Handschriften geschrieben, durch die uns die altgriechische und altchristliche Literatur überliefert ist. Während des Patriarchats des Photios kam es zu einer erbitterten Auseinandersetzung mit Rom, das erfolglos versuchte, seinen Primat auch in der Ostkirche durchzusetzen. 863 nahmen die Bulgaren das orthodoxe Christentum an. Zu dieser Zeit begann das Patriarchat von Konstantinopel bereits mit der Mission der Kiever Rus, die 986 mit der Taufe Russlands abgeschlossen wurde.
Mit dem Umsturz des Jahres 867 gelangte eine neue Dynastie an die Macht, die das Reich bis 1025 zu neuer Größe führen sollte.
Zusätzliche Informationen
Bei Interesse der Teilnehmer an der Vorlesung biete ich gerne eine eintägige Exkursion ins Diözesanmuseum Limburg an, wo die Limburger Staurothek, das persönliche Brustreliquiar der oströmischen Kaiser, das erst Anfang des 13. Jahrhunderts nach Deutschland gelangte, besichtigt werden kann, neben dem Schatz von San Marco in Venedig sicher das bedeutendste Kunstwerk aus Byzanz in ganz Westeuropa.Termine
| Datum (Wochentag) | Zeit | Ort |
|---|---|---|
| 19.10.2026 (Montag) | 14:15 - 15:45 | 00 141 (K7) Übungsraum 9139 - Am Kisselberg |
| 26.10.2026 (Montag) | 14:15 - 15:45 | 00 141 (K7) Übungsraum 9139 - Am Kisselberg |
| 02.11.2026 (Montag) | 14:15 - 15:45 | 00 141 (K7) Übungsraum 9139 - Am Kisselberg |
| 09.11.2026 (Montag) | 14:15 - 15:45 | 00 141 (K7) Übungsraum 9139 - Am Kisselberg |
| 16.11.2026 (Montag) | 14:15 - 15:45 | 00 141 (K7) Übungsraum 9139 - Am Kisselberg |
| 23.11.2026 (Montag) | 14:15 - 15:45 | 00 141 (K7) Übungsraum 9139 - Am Kisselberg |
| 30.11.2026 (Montag) | 14:15 - 15:45 | 00 141 (K7) Übungsraum 9139 - Am Kisselberg |
| 07.12.2026 (Montag) | 14:15 - 15:45 | 00 141 (K7) Übungsraum 9139 - Am Kisselberg |
| 14.12.2026 (Montag) | 14:15 - 15:45 | 00 141 (K7) Übungsraum 9139 - Am Kisselberg |
| 21.12.2026 (Montag) | 14:15 - 15:45 | 00 141 (K7) Übungsraum 9139 - Am Kisselberg |
| 11.01.2027 (Montag) | 14:15 - 15:45 | 00 141 (K7) Übungsraum 9139 - Am Kisselberg |
| 18.01.2027 (Montag) | 14:15 - 15:45 | 00 141 (K7) Übungsraum 9139 - Am Kisselberg |
| 25.01.2027 (Montag) | 14:15 - 15:45 | 00 141 (K7) Übungsraum 9139 - Am Kisselberg |
| 01.02.2027 (Montag) | 14:15 - 15:45 | 00 141 (K7) Übungsraum 9139 - Am Kisselberg |