Vorlesung Mittelalter: Mythen in Mainz. Urban Legends als Herausforderung in der Geschichte der Stadt

Dozent:innen: Univ.-Prof. Dr. Nina Gallion; Prof. Dr. Johannes Lipps
Kurzname: VL Aufbaumodul
Kurs-Nr.: 07.068.260b
Kurstyp: Vorlesung

Voraussetzungen / Organisatorisches

Die Vorlesung ist unbenotet.
Eine Gasthörerschaft ist selbstverständlich immer möglich.

Empfohlene Literatur

Mainz. Die Geschichte der Stadt, hg. von Franz Dumont/Ferdinand Scherf/Friedrich Schütz, Mainz 1998.

Inhalt

In jeder Stadt kursieren erfundene, skurrile, manchmal auch schaurige Geschichten zu historischen Ereignissen, Bauten oder Artefakten, die bei genauem Hinschauen aber schlicht nicht wahr sind. Auch die Mainzer Vergangenheit ist voll von solchen Urban Legends. Dies beginnt mit der Gründung der Stadt, deren Zeitpunkt und Gründer entgegen landläufiger Meinung nicht bekannt sind, setzt sich fort über die Frage nach dem ersten Bischof und dem Alter des Erzbistums und endet bei sehr konträren Meinungen zu Nutzen und Gefahren des Corona-Impfstoffs von BioNTech. Es kursieren Gerüchte über Morde, wie jenem am römischen Kaisers Alexander Severus, der in Bretzenheim erfolgt sein soll, bis hin zu verklärenden Legendenbildungen um das Wesen des Schinderhannes. Es gibt fantastische Geschichten zu Denkmälern, die täglich im Stadtraum begegnen (so zum römischen Theater oder zum Eichelstein). In anderen Fällen ging es um programmatischen Rufmord, sei es an einzelnen Erzbischöfen oder an der jüdischen Bevölkerung. Und selbst vom vielleicht größten Mainzer Stadthelden Johannes Gutenberg sind zahlreiche Geschichten in Umlauf, deren Wahrheitsgehalt einer eingehenderen Prüfung kaum standhält. Manchmal sind Ursprung und Quellen dieser Urban Legends unbekannt, so dass sie sich wahrscheinlich eher durch Hörensagen und zunehmende Ausschmückungen entwickelt haben. Oder es handelt sich, wie bei dem Historiker Franz Joseph Bodmann, um gezielte Fälschungsversuche. Was sich in jedem Fall fassen lässt, sind die mit den Mainzer Mythen verbundenen Intentionen: Häufig zielen die Mythen auf die Herstellung und Nobilitierung einer städtischen Identität, auf die Verortung bedeutender Ereignisse im Stadtraum und die Stiftung von Erinnerungsorten, auf soziale Distinktion und Diffamierung von Einzelpersonen und Gruppen, sei es innerhalb der Stadtgesellschaft, sei es gegenüber anderen Städten, oder auf die Schaffung von Helden und die damit verbundenen Aushandlungsprozesse von Normen und Werten. Die dritte Ringvorlesung unserer turnusmäßig alle zwei Jahre stattfindenden Reihe zur Mainzer Stadtgeschichte widmet sich den besonders prominenten Mainzer Mythen und wird ihnen auf den Grund gehen.

Die interdisziplinäre Ringvorlesung findet vom 29. Oktober 2026 bis 3. Februar 2027 wöchentlich donnerstags ab 18.15 Uhr statt (die letzte Sitzung ist ausnahmsweise ein Mittwoch) und wird in Kooperation mit der Akademie des Bistums Mainz sowie mit dem Profilbereich „40.000 Years of Human Challenges“ an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz durchgeführt. Bitte beachten Sie, dass die Ringvorlesung in den Räumlichkeiten des Erbacher Hofs stattfindet (Grebenstraße 24–26, 55116 Mainz). Nähere Informationen zum Programm erhalten Sie ab Anfang Oktober unter http://vergleichendelandesgeschichte.geschichte.uni-mainz.de.

Termine

Datum (Wochentag) Zeit Ort
05.11.2026 (Donnerstag) 18:15 - 19:45 findet im Erbacher Hof statt
12.11.2026 (Donnerstag) 18:15 - 19:45 findet im Erbacher Hof statt
19.11.2026 (Donnerstag) 18:15 - 19:45 findet im Erbacher Hof statt
26.11.2026 (Donnerstag) 18:15 - 19:45 findet im Erbacher Hof statt
03.12.2026 (Donnerstag) 18:15 - 19:45 findet im Erbacher Hof statt
10.12.2026 (Donnerstag) 18:15 - 19:45 findet im Erbacher Hof statt
17.12.2026 (Donnerstag) 18:15 - 19:45 findet im Erbacher Hof statt
07.01.2027 (Donnerstag) 18:15 - 19:45 findet im Erbacher Hof statt
14.01.2027 (Donnerstag) 18:15 - 19:45 findet im Erbacher Hof statt
21.01.2027 (Donnerstag) 18:15 - 19:45 findet im Erbacher Hof statt
28.01.2027 (Donnerstag) 18:15 - 19:45 findet im Erbacher Hof statt