Seminar Mittelalterliche Geschichte (3stündig): Magie im Mittelalter

Dozent:innen: Sebastian Golisch
Kurzname: 07.068.14_140
Kurs-Nr.: 07.068.14_140
Kurstyp: Seminar

Voraussetzungen / Organisatorisches

Als aktive Teilnahme der Studierenden sind Referate vorgesehen, die im Laufe des Seminares vorbereitet und im Plenum vorgetragen werden. Hierzu gehört ebenfalls die Anfertigung eines wissenschaftlichen Handouts. Als Prüfungsleistung verfassen die Studierenden in der Regel eine wissenschaftliche Hausarbeit nach ihren jeweils geltenden Modulhandbüchern und Prüfungsordnungen. Sowohl bei ihren Referaten als auch bei ihren Hausarbeiten haben die Studierenden die Möglichkeit ihren persönlichen Interessen nachzugehen und selbst einen thematischen Schwerpunkt zu setzen. Die Möglichkeiten sind hierbei vielfältig, da das Thema der Magie im Mittelalter Zugänge aus den unterschiedlichsten Teilbereichen der Geschichtswissenschaft, wie der Rechts-, Kultur-, Religions- oder Geschlechtergeschichte, zulässt.

Anwesenheitspflicht

Gemeinsam mit dem Seminar melden sich die Studierenden automatisch auch zu einem begleitenden Tutorium an. In diesem sollen sie zu wissenschaftlichem Arbeiten im Rahmen der Mediävistik angeleitet werden, deren Hilfswissenschaften bei der Erschließung von Quellen kennenlernen, als auch Unterstützung für das Schreiben ihrer Hausarbeiten erhalten.

Wichtig: Sowohl in diesem Seminar als auch im begleitenden Tutorium besteht Anwesenheitspflicht. Das bedeutet, die Studierenden dürfen an maximal drei Sitzungen fehlen (zwei davon im Seminar und eine im Tutorium).

Empfohlene Literatur

Behringer, Wolfgang, Hexen und Hexenprozesse in Deutschland, München [sup]4[/sup]2000.
 
Dienst, Heide, Lebensbewältigung durch Magie. Alltägliche Zauberei in Innsbruck gegen Ende des 15. Jahrhunderts, in: Alfred Kohler/Heinrich Lutz (Hg.), Alltag im 16. Jahrhundert. Studien zu Lebensformen in mitteleuropäischen Städten (Wiener Beiträge zur Geschichte der Neuzeit 14), Wien 1987, S. 80–116.
 
Dillinger, Johannes, Hexen und Magie (Historische Einführungen 3), Frankfurt/New York [sup]2[/sup]2018.
 
Goetz, Hans-Werner, Proseminar Geschichte: Mittelalter (UTB 1719), Stuttgart u. a. [sup]4[/sup]2014.
 
Hartmann, Martina, Mittelalterliche Geschichte studieren, Konstanz [sup]8[/sup]2010.
 
Knefelkamp, Ulrich, Das Mittelalter. Geschichte im Überblick (UTB 2105), Paderborn u. a. [sup]3[/sup]2018.
 
Kümper, Hiram, Materialwissenschaft Mediävistik. Eine Einführung in die Historischen Hilfswissenschaften, Paderborn 2014.
 
Neugebauer-Wölk, Monika, Wege aus dem Dschungel. Betrachtungen zur Hexenforschung, in: Geschichte und Gesellschaft 29 (2003), H. 2, S. 316–347.
 
Schwerhoff, Gerd, Rationalität im Wahn. Zum gelehrten Diskurs über die Hexen in der frühen Neuzeit, in: Saeculum 37 (1986), H. 1, S. 45–82.
 
Tuczay, Christa, Kulturgeschichte der mittelalterlichen Wahrsagerei, Berlin/Boston 2012.

Inhalt

Das gesamte Mittelalter über existierten die unterschiedlichsten Vorstellungen von Magie und den dazugehörigen magischen Praktiken ihrer Ausübung. Durch alle sozialen Schichten hindurch wurden magiekundige Personen konsultiert oder man versuchte sich selbst in der Zauberei. Magische Praktiken wurden als mehr oder minder geheimes Wissen tradiert und dienten meistens der Lösung von Problemsituationen im Alltag. Das hier vorgestellte Seminar möchte sich dem Thema der Magie im Mittelalter von drei Seiten aus nähern.

Die erste umfasst die alltagsgeschichtliche Perspektive der Anwendung von Magie durch die mittelalterliche Bevölkerung. Welche Personengruppen wurden hier wann aktiv und zu welchem Zweck? Welche Probleme sollten wie gelöst werden? Welche Rolle spielten dabei zeitgenössische Volksglaubensvorstellungen, die sich unter dem Mantel der Christianisierung bis weit in die Frühe Neuzeit hielten?

Die zweite Perspektive fokussiert sich auf die Position der mittelalterlichen Gelehrten zu Magie. Damit sind sowohl jene Gelehrten gemeint, die sich selbst aus ‚wissenschaftlichem‘ Antrieb heraus mit Magie beschäftigen und deren Geheimnisse ergründen wollten, dann solche, die versuchten eine legale ‚weiße Magie‘ zu betreiben, als auch jene, die sich aus den unterschiedlichsten Gründen gegen Magie aussprachen. In der Untersuchung dieser vielfältigen Einordnungen und Bewertungen wird deutlich, welche zeitgenössischen Herausforderungen und Konflikte durch den Gegensatz von Magie und Religion entstanden, wie die historischen Akteure versuchten hiermit umzugehen und wie sie dabei durch ihre Schriften selbst magische ‚Realität‘ konstruierten.

In einem dritten Schritt soll dann die Synthese von magischen Praktiken und Volksglaubensvorstellungen der mittelalterlichen Bevölkerung mit den gelehrten Positionen in der spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Hexenlehre untersucht werden, wie sie das ideologische Fundament für die Hexenverfolgungen bildete. Ab dem 15. Jahrhundert entstand ein öffentlich ausgetragener Diskurs über die Realität und die Fähigkeiten von Hexen, an dessen Ausgang auf lokaler Ebene ganz entscheidend die konkrete Förderung und Ausprägung von Hexenverfolgungen hing. Dies zeigt deutlich, wie dicht verwoben magische Vorstellungen und Praktiken in Mittelalter und Früher Neuzeit mit Rechts-, Kultur- und Glaubensauffassungen waren. Ein Umstand, der damit allen historisch Forschenden die einzigartige Möglichkeit bietet, über die Untersuchung von Magie im Mittelalter einen tieferen Einblick in die Epoche zu erhalten, hinter die uns teilweise fremd anmutende Verhaltensweisen zu blicken, um dadurch mittelalterliche Denkweisen und Mentalitäten besser verstehen zu lernen.

Termine

Datum (Wochentag) Zeit Ort
14.04.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 00 465 P12
1141 - Philosophisches Seminargebäude
16.04.2026 (Donnerstag) 16:15 - 17:45 00 011 SR 05
9125 - Bausparkasse Mainz
21.04.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 00 465 P12
1141 - Philosophisches Seminargebäude
28.04.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 00 465 P12
1141 - Philosophisches Seminargebäude
30.04.2026 (Donnerstag) 16:15 - 17:45 00 011 SR 05
9125 - Bausparkasse Mainz
05.05.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 00 465 P12
1141 - Philosophisches Seminargebäude
12.05.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 00 465 P12
1141 - Philosophisches Seminargebäude
19.05.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 00 465 P12
1141 - Philosophisches Seminargebäude
26.05.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 00 465 P12
1141 - Philosophisches Seminargebäude
28.05.2026 (Donnerstag) 16:15 - 17:45 00 011 SR 05
9125 - Bausparkasse Mainz
02.06.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 00 465 P12
1141 - Philosophisches Seminargebäude
09.06.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 00 465 P12
1141 - Philosophisches Seminargebäude
16.06.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 00 465 P12
1141 - Philosophisches Seminargebäude
18.06.2026 (Donnerstag) 16:15 - 17:45 00 011 SR 05
9125 - Bausparkasse Mainz
23.06.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 00 465 P12
1141 - Philosophisches Seminargebäude
25.06.2026 (Donnerstag) 16:15 - 17:45 00 011 SR 05
9125 - Bausparkasse Mainz
30.06.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 00 465 P12
1141 - Philosophisches Seminargebäude
07.07.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 00 465 P12
1141 - Philosophisches Seminargebäude
09.07.2026 (Donnerstag) 16:15 - 17:45 00 011 SR 05
9125 - Bausparkasse Mainz