Vorlesung Alte Geschichte: Griechische Kolonisation

Dozent:innen: Univ.-Prof. Dr. Thomas Blank
Kurzname: VL Aufbaumodul
Kurs-Nr.: 07.068.260a
Kurstyp: Vorlesung

Voraussetzungen / Organisatorisches

Die Vorlesung ist unbenotet.
Eine Gasthörerschaft ist selbstverständlich immer möglich.

Digitale Lehre

Die Vorlesung findet als Präsenzveranstaltung statt. Im Falle von unvorhergesehenem Ausfall von Sitzungen werden ggf. Videos als Ergänzung bereitgestellt.

Materialien zur Vorlesung werden digitasl via LMS/Moodle bereitgestellt.

Empfohlene Literatur


  1. Camilla Colombi et al. (2022) Comparing Greek Colonies. Mobility and settlement consolidation from Southern Italy to the Black Sea (8th – 6th Century BC). Berlin.
  2. Martin Mauersberg (2019) Die "griechische Kolonisation". Ihr Bild in der Antike und der modernen altertumswissenschaftlichen Forschung. Bielefeld.
  3. Winfried Schmitz (2017) Die griechische Gesellschaft. Eine Sozialgeschichte der archaischen und klassischen Zeit. Heidelberg.
  4. Theresa Miller (1997) Die griechische Kolonisation im Spiegel literarischer Zeugnisse. Tübingen (Classica Monacensia14).

Inhalt

„Zweitens ist doch [die Welt] riesengroß,“ sagte er, „und wir siedeln nur in einem kleinen Teil davon, im Raum zwischen Phasis und den Säulen des Herakles, so als würden Ameisen um einen Teich oder Frösche um ein ganzes Meer siedeln, und anderswo siedeln viele andere an vielen anderen vergleichbaren Orten.“ (Plat. Phaid. 109ab).

Diese Beschreibung des griechischen Siedlungsgebiets durch Platons Sokrates wird regelmäßig zitiert, um die Lage der griechischen ‚Ablegersiedlungen‘ (Apoikien) rings um Mittelmeer und Schwarzes Meer zu veranschaulichen und dabei zugleich die Zentralität des Meeres als des in der griechischen Kultur relevantesten Verkehrswegs zu betonen. Die Zuwendung zum Meer als Medium der Konnektivität zwischen griechischen Städten soll dabei auch verdeutlichen, in welchem Maße sich die Bewohner griechischer Apoikien stärker der griechischen Koine und insbesondere ihren ‚Mutterstädten‘ (Metropoleis) verbunden fühlten als etwa der unmittelbaren regionalen Umwelt im ‚fremden‘ Siedlungsgebiet.

Das Bild mag geeignet sein, um die Tatsache der transregionalen Präsenz und gleichzeitigen Kohärenz griechischer Kultur in der antiken Mittelmeerwelt seit dem 8. Jh. v. Chr. zum Ausdruck zu bringen. Doch es ignoriert den Zusammenhang des Zitats bei Platon, dem es  um die Begrenztheit der kosmologischen Weltsicht der Griechen geht. Vor allem aber folgt die Vorstellung einer weitgehenden lokalen Isolation griechischer Kultur einem dem Zeitalter des Nationalismus entsprungenen Essentialismus, der ein besonderes Interesse daran hatte, ‚die Griechen‘ als kohärente und als Vorbild taugliche ‚Nation‘ hervorzuheben. Auch die immer noch vorzufindende Bezeichnung der Apoikien als ‚Kolonien‘ entstammt diesem Denken. Zu kurz kommt dabei die in der althistorischen und archäologischen Forschung der letzten Jahrzehnte dominierende Frage nach den Spezifika der lokalen Kulturentwicklung: Wie veränderte sich in den verschiedenen Regionen, in die Griechen einwanderten und in denen sie Siedlungen gründeten, die ansässige Kultur? Wie transformierte sich umgekehrt auch das Selbstverständnis und die kulturelle Realität von ‚Griechen‘ in ihrem jeweiligen Umfeld? Vor allem für die sogenannte ‚Magna Graecia‘ der südlichen italischen Welt sowie für den Schwarzmeerraum wird längst auch die kulturelle Differenz zur griechischen Welt zwischen Südbalkan und Westanatolien betont.

Die Vorlesung wird sich mit der sog. ‚Griechischen Kolonisation‘ unter diesem Blickwinkel auseinandersetzungen und an ausgewählten Beispielen (mit einem Schwerpunkt in der Magna Graecia) die lokalen kulturellen Realtitäten in den Blick nehmen, zu denen die Kulturentwicklung im lokalen Kontext ebenso gehört wie der nicht zuzletzt handelsbedingte kontinuierliche Austausch mit der hellenischen Koine. Die Vorlesung gliedert sich dabei zu gleichen Teilen in eine Quellenlektüre, in der vorbereitete Quellen entlang von Leitfragen ausgewertet werden, sowie den eigentlichen Vorlesungsteil, in dem diese Quellen schließlich in das übergeordnete Vorlesungsthema eingeordnet werden.

Termine

Datum (Wochentag) Zeit Ort
14.04.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 01 431 P104
1141 - Philosophisches Seminargebäude
21.04.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 01 431 P104
1141 - Philosophisches Seminargebäude
28.04.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 01 431 P104
1141 - Philosophisches Seminargebäude
05.05.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 01 431 P104
1141 - Philosophisches Seminargebäude
12.05.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 01 431 P104
1141 - Philosophisches Seminargebäude
19.05.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 01 431 P104
1141 - Philosophisches Seminargebäude
26.05.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 01 431 P104
1141 - Philosophisches Seminargebäude
02.06.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 01 431 P104
1141 - Philosophisches Seminargebäude
09.06.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 01 431 P104
1141 - Philosophisches Seminargebäude
16.06.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 01 431 P104
1141 - Philosophisches Seminargebäude
23.06.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 01 431 P104
1141 - Philosophisches Seminargebäude
30.06.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 01 431 P104
1141 - Philosophisches Seminargebäude
07.07.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 01 431 P104
1141 - Philosophisches Seminargebäude