Seminar Mittelalterliche Geschichte (3stündig): Der Beginn der europäischen Hexenverfolgungen im Spätmittelalter im Spannungsfeld von Zuspruch, Duldung und Ablehnung

Dozent:innen: Sebastian Golisch
Kurzname: 07.068.14_140
Kurs-Nr.: 07.068.14_140
Kurstyp: Seminar

Voraussetzungen / Organisatorisches

Als aktive Teilnahme der Studierenden sind Referate vorgesehen, die im Laufe des Seminares vorbereitet und im Plenum vorgetragen werden. Hierzu gehört ebenfalls die Anfertigung eines wissenschaftlichen Handouts. Als Prüfungsleistung verfassen die Studierenden in der Regel eine wissenschaftliche Hausarbeit nach ihren jeweils geltenden Modulhandbüchern und Prüfungsordnungen. Sowohl bei ihren Referaten als auch bei ihren Hausarbeiten haben die Studierenden die Möglichkeit ihren persönlichen Interessen nachzugehen und selbst einen thematischen Schwerpunkt innerhalb der mittelalterlichen Hexenforschung zu setzen. Die Möglichkeiten sind hierbei vielfältig, da das Thema Zugänge aus den unterschiedlichsten Teilbereichen der Geschichtswissenschaft, wie der Rechts-, Kultur-, Religions- oder Geschlechtergeschichte, zulässt.

Gemeinsam mit dem Seminar melden sich die Studierenden automatisch auch zu einem begleitenden Tutorium an. In diesem sollen sie zu wissenschaftlichem Arbeiten im Rahmen der Mediävistik angeleitet werden, deren Hilfswissenschaften bei der Erschließung von Quellen kennenlernen, als auch Unterstützung für das Schreiben ihrer Hausarbeiten erhalten.

Die Tutoriumstermine sind zweistündig und finden am 06.11.25, am 20.11.25, am 04.12.25, am 11.12.25, am 15.01.26, am 29.01.26 und am 12.02.26 von jeweils 16-18 Uhr (c. t.) statt.

Die (ggf. parallele) aktive Teilnahme am Seminar Neueste Geschichte wird vorausgesetzt. Dies gilt nicht für Studierende im M.A. Mittelalter- und Frühneuzeitstudien.

Anwesenheitspflicht

In dieser Lehrveranstaltung besteht nach Prüfungsordnung eine Anwesenheitspflicht. Die Anwesenheit an einer Lehrveranstaltung ist noch zu bestätigen, wenn die oder der Studierende bis zu zwei Einzelveranstaltungen, höchstens aber vier Veranstaltungsstunden im Semester, versäumt hat. In begründeten Einzelfällen können Ausnahmen zugelassen werden. Beachten Sie, dass die Fehlzeiten aus Seminar und Tutorium addiert werden, da es sich formal um eine Veranstaltung handelt.

Empfohlene Literatur

Behringer, Wolfgang: Hexen und Hexenprozesse in Deutschland. München, 4. Aufl. 2000.
Dillinger, Johannes: Hexen und Magie. Frankfurt/New York, 2. Aufl. 2018 (= Historische Einführungen, Bd. 3).
Hartmann, Lehmann / Ulbricht, Otto (Hrsg.): Vom Unfug des Hexen-Processes. Gegner der Hexenverfolgungen von Johann Weyer bis Friedrich Spee. Wiesbaden 1992 (= Wolfenbütteler Forschungen, Bd. 55).
Koch, Arnd: Wider ein Feindstrafrecht. Juristische Kritik am Hexereiverfahren. Berlin 2012 (= Quellen und Forschungen zur Strafrechtsgeschichte, Bd. 9).
Kümper, Hiram: Materialwissenschaft Mediävistik. Eine Einführung in die Historischen Hilfswissenschaften. Paderborn 2014.
Lorenz, Sönke (Hrsg.): Hexen und Hexenverfolgung im deutschen Südwesten. Ostfildern [u. a.] 1994 (= Volkskundliche Veröffentlichungen des Badischen Landesmuseums Karlsruhe, Bd. 2).
Neugebauer-Wölk, Monika: Wege aus dem Dschungel. Betrachtungen zur Hexenforschung. In: Geschichte und Gesellschaft 29 (2003), H. 2, S. 316–347.
Schwerhoff, Gerd: Rationalität im Wahn. Zum gelehrten Diskurs über die Hexen in der frühen Neuzeit. In: Saeculum 37 (1986), H. 1, S. 45–82.
Schwerhoff, Gerd: Die Inquisition. Ketzerverfolgung in Mittelalter und Neuzeit. München, 3. Aufl. 2009.

Inhalt

Das Bild der brennenden Scheiterhaufen der Hexen gehört zu den weitverbreitetsten Stereotypen des Mittelalters und wird auch heute noch in medialen Darstellungen beständig aufs Neue vermittelt. In der Forschung ist jedoch bereits seit mehreren Jahrzehnten bekannt, dass der Höhepunkt der Hexenverfolgungen im 17. Jahrhundert lag. Von breiter Zustimmung oder gar allgemeiner Begeisterung für dieses Phänomen kann im Mittelalter noch nicht die Rede sein. Vielmehr entbrach im 15. Jahrhundert ein öffentlicher Diskurs über die Realität und die angenommenen Fähigkeiten der Hexen, bei dem ein Sieg der Befürworter über die Gegner der Verfolgungen längst nicht absehbar war. Exemplarisch kann hier die Vita des Dominikanermönchs Heinrich Kramer, des Verfassers des berühmt-berüchtigten „Malleus Maleficarum“ („Hexenhammer“), genannt werden, der einige kriminelle Energie aufwenden musste, um seinen radikalen Ansichten die notwendige Durchschlagskraft zu verleihen. So lässt sich festhalten, dass Hexenverfolgungen im Spätmittelalter noch deutlich seltener und mit wesentlich geringeren Opferzahlen auftraten, als dies in der Frühen Neuzeit der Fall gewesen war. Erst ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde die Perspektive der Verfolgungsbefürworter unter veränderten gesellschaftlichen, politischen und religiösen Herausforderungen weit verbreitete Praxis.

Das vorliegende Seminar will deshalb, in bewusster Abgrenzung zur bisherigen wissenschaftlichen Fokussierung auf die Perspektiven der Täter, einen Neuansatz wagen und sich auch den Auffassungen der Verfolgungsgegner widmen, die den Mut hatten, sich öffentlich kritisch zu äußern. Dabei sollen auch besonders Grautöne und Unschärfen in den Blick genommen werden, die bei oberflächlicher Betrachtung eine vorschnelle Abwertung der historischen Akteure hervorrufen würden, bei genauerer Analyse jedoch vielfältige Erkenntnisse über die Zwiegespaltenheit der Autoren in der Hexenfrage und die Beschaffenheit des Hexen-Diskurses insgesamt bereithalten können.

Wir werden uns dementsprechend im Seminar sowohl mit den Umständen der Entstehung der europäischen Hexenverfolgungen und deren Verlauf im 15. und 16. Jahrhundert beschäftigen als auch daran chronologisch anschließend mit den unterschiedlichen Perspektiven der zeitgenössischen historischen Akteure. Dabei wird Quellenlese ein wichtiger Bestandteil der Veranstaltung sein. Wenn uns am Ende noch ausreichend Zeit bleibt, werden wir uns zudem mit der Rezeption der Hexenverfolgungen in der heutigen Zeit in Film, Videospiel und Literatur auseinandersetzen. Denkbar wäre auch eine offene Diskussion über die bis heute umstrittene Einordnung der Hexenverfolgungen als sog. „Femizid“.

Termine

Datum (Wochentag) Zeit Ort
28.10.2025 (Dienstag) 10:15 - 11:45 01 411 P101
1141 - Philosophisches Seminargebäude
04.11.2025 (Dienstag) 10:15 - 11:45 01 411 P101
1141 - Philosophisches Seminargebäude
06.11.2025 (Donnerstag) 16:15 - 17:45 00 016 SR 02
9125 - Bausparkasse Mainz
11.11.2025 (Dienstag) 10:15 - 11:45 01 411 P101
1141 - Philosophisches Seminargebäude
18.11.2025 (Dienstag) 10:15 - 11:45 01 411 P101
1141 - Philosophisches Seminargebäude
20.11.2025 (Donnerstag) 16:15 - 17:45 00 016 SR 02
9125 - Bausparkasse Mainz
25.11.2025 (Dienstag) 10:15 - 11:45 01 411 P101
1141 - Philosophisches Seminargebäude
02.12.2025 (Dienstag) 10:15 - 11:45 01 411 P101
1141 - Philosophisches Seminargebäude
04.12.2025 (Donnerstag) 16:15 - 17:45 00 016 SR 02
9125 - Bausparkasse Mainz
09.12.2025 (Dienstag) 10:15 - 11:45 01 411 P101
1141 - Philosophisches Seminargebäude
11.12.2025 (Donnerstag) 16:15 - 17:45 00 016 SR 02
9125 - Bausparkasse Mainz
16.12.2025 (Dienstag) 10:15 - 11:45 01 411 P101
1141 - Philosophisches Seminargebäude
06.01.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 01 411 P101
1141 - Philosophisches Seminargebäude
13.01.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 01 411 P101
1141 - Philosophisches Seminargebäude
15.01.2026 (Donnerstag) 16:15 - 17:45 00 016 SR 02
9125 - Bausparkasse Mainz
20.01.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 01 411 P101
1141 - Philosophisches Seminargebäude
27.01.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 01 411 P101
1141 - Philosophisches Seminargebäude
29.01.2026 (Donnerstag) 16:15 - 17:45 00 016 SR 02
9125 - Bausparkasse Mainz
03.02.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 01 411 P101
1141 - Philosophisches Seminargebäude
10.02.2026 (Dienstag) 10:15 - 11:45 01 411 P101
1141 - Philosophisches Seminargebäude
12.02.2026 (Donnerstag) 16:15 - 17:45 00 016 SR 02
9125 - Bausparkasse Mainz