Lehrveranstaltungen im kommenden Semester

Übung Neuzeit (Schwerpunkt: Landesgeschichte): Geschichte und Gegenwart der Mainzer Fastnacht. Historische und ethnologische Annäherungen

Dozent:innen: Univ.-Prof. Dr. Thomas Bierschenk; Tobias Huff
Kurzname: Ü Aufbaumodul
Kurs-Nr.: 07.068.285f
Kurstyp: Übung

Voraussetzungen / Organisatorisches

M.A. Geschichte: Diese Übung ist Teil des Aufbaumoduls Landesgeschichte.

Empfohlene Literatur

Einen ersten Überblick über das Thema geben
 
• der eher journalistische Band: Schenk, Günter: Die Mainzer Fastnacht. Wiesbaden 2016
• Der kurze Überblick in: Friedrich Schütz: Die moderne Mainzer Fastnacht. In: Franz Dumont (Hrsg.), Ferdinand Scherf, Friedrich Schütz: Mainz – Die Geschichte der Stadt. von Zabern, Mainz 1999: 809 – 834.
• Eine berühmte literarische Behandlung des Stoffes findet sich in: Carl Zuckmayer: Die Fastnachtsbeichte. Fischer Taschenbuch 15010, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-596-15010-8
 
Weitere ausgewählte Literatur:
 
· Hildegard Friess-Reimann: Der Siegeszug des Prinzen Karneval: die Ausbreitung einer bürgerlichen Festform unter besonderen Berücksichtigung von Rheinhessen (= Studien zur Volkskultur in Rheinland-Pfalz, Band 3) Gesellschaft für Volkskunde in Rheinland-Pfalz, Mainz 1988, ISBN 3-926052-02-3, erschienen zuvor als: Fastnacht in Rheinhessen: die Diffusion der Mainzer Fastnacht von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart, Selbstverlag Hildegard Frieß-Reimann, Klosterstraße 23, Mainz-Gonsenheim 1978, 1980, DNB 970103603 (Dissertation Universität Mainz 1979, 184 Seiten). gekauft
· roßhennrich, Franz-Josef: Die Mainzer Fastnachtsvereine. Geschichte, Funktion, Organisation und Mitgliederstruktur. Wiesbaden 1980. gekauft
· Kißener, Michael (Hrsg.): Die Fastnacht der nationalsozialistischen „Volksgemeinschaft“ : Studien zu Mainz und anderen Regionen. Berlin u.a. 2020. UB elektron; auch als Pdf vorhanden
· Michael Matheus (Hrsg.): Fastnacht – Karneval im europäischen Vergleich (= Mainzer Vorträge, Band 3), Steiner, Stuttgart 1999, ISBN 3-515-07261-6. UB vorhanden
· Klaus Rost: Die programmierte Sitzung, Narren im Fernsehen, Massenmedien und Fastnacht am Beispiel Mainz Mainz 1978, DNB 810494078 (Dissertation Universität Mainz, Fachbereich 13 – Philologie I, 1978, 207 Seiten). UB vorhanden
· Schenk, Günter: Fassenacht in Mainz : Kulturgeschichte eines Volksfeste. Stuttgart 1986. bestellt
· Herbert Schwedt (Hrsg.): Analyse eines Stadtfestes. Die Mainzer Fastnacht (= Mainzer Studien zur Sprach- und Volksforschung, Band 1). Steiner, Wiesbaden 1977, ISBN 3-515-02664-9. Best. Amazon
· Bianka Stahl: Formen und Funktionen des Fastnachtfeierns in Geschichte und Gegenwart, dargestellt an den wichtigsten Aktivitäten der Mainzer Fastnachtsvereine und -garden (= Wissenschaftliche Reihe, Band 14), Kleine, Bielefeld 1981, ISBN 3-88302-033-8 (Dissertation Universität Mainz 1981, 520 Seiten). UB vorhanden
 

Inhalt

 
Die Fastnacht, mit ihren drei Formaten Straßenfastnacht, Saalfastnacht und Kneipenfastnacht, ist das größte popkulturelle Ereignis in der Stadt Mainz und in Rheinhessen, mit intensiven Vernetzungen in die regioale Politik und Wirtschaft. Seit den bürgerlichen Reformen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die unternommen worden waren, um das Volksfest in geordnete Bahnen zu lenken, war sie auch immer ein Zeugnis der jeweiligen gesellschaftlichen Situation, wenn auch durchgehend Ausdruck einer geordneten Bürgerlichkeit. In der ersten Hälfte des Seminars sollen die Studierenden sich mit den verschiedenen historischen Phasen der Fastnacht (erste Ursprünge im Mittelalter, ungezügeltes Volksfest in der Frühen Neuzeit, bürgerliche Reformphasen im 19. Jahrhundert, Nationalsozialismus, Neubeginn nach dem 2. Weltkrieg, nationale Bedeutung durch die ‚Fernsehfastnacht‘ seit den 1950er Jahren, usw.) durch Lektüre vertraut machen. Im zweiten Teil der Veranstaltung werden zum einen ‚Tabu-Themen‘ behandelt – die Spannung zwischen Ehrenamt und Professionalität, die Ökonomie der Veranstaltungen, Verwicklungen mit der (lokalen und regionalen) Politik, die soziale Exklusivität der Saalfastnacht in Hinblick auf sozialen Status, Gender und Ethnizität im Kontrast zu Inklusivität der Straßenfastnacht, etc. Hinzu können, je nach Interesse der Teilnehmer:innen, Themen kommen wie die Wandlungen durch die intensive Medialisierung, die Fastnacht als sich selbstkommentierende kulturelle Form, literarische Gattungen in der Saalfastnacht, visuelle Ästhetiken, etc.