Die Kriegstagebücher des Theodor Habicht

 

Nationalsozialisten als Truppenführer in der Wehrmacht

 

 

gefördert von der

 

 

Dieses von der Gerda Henkel Stiftung geförderte Forschungsprojekt dient der Erarbeitung einer kommentierten Quellenedition über die deutsche Kriegführung an der Ostfront während des Zweiten Weltkriegs. Es basiert auf dem neu entdeckten Tagebuch des prominenten Nationalsozialisten Theodor Habicht, der von 1941 bis 1944 als Kompaniechef gegen die Rote Armee kämpfte. Dieses einzigartige Selbstzeugnis umfasst rund 1500 Seiten und zeigt den Krieg aus der Nahperspektive der Frontsoldaten in bislang einmaliger Unmittelbarkeit.

Das Forschungsprojekt dient der Erschließung einer bislang unbekannten Quelle, die in einer kommentierten Edition veröffentlicht werden soll: das rund 1500 Seiten umfassende Tagebuch des prominenten Wiesbadener Nationalsozialisten Theodor Habicht, der von 1941 bis 1944 an der Ostfront als Kompaniechef eingesetzt war. An Laufzeit, Gehalt und Aussagekraft übertrifft dieses an Ernst Jünger erinnernde Tagebuch alle anderen bekannten Selbstzeugnisse von der Ostfront bei weitem. In seinem Tagebuch brachte Habicht eindringlich zur Sprache, was in vielen anderen privaten Aufzeichnungen weitgehend ausgespart blieb: die alltägliche Gewalt, das Kämpfen, Töten und Sterben, die Kriegsverbrechen, der Kern des Krieges. Es trägt damit zur Schließung einer wichtigen Forschungslücke bei, denn die Perspektive der kleinen Kampfeinheiten und ihrer Truppenführer blieb in der Historiographie aus Mangel an geeigneten Quellen bislang stark unterbelichtet.

Der einmalige Quellenwert des Tagebuchs rührt auch von der Biographie des Autors her, dem im „Dritten Reich“ eine geradezu spektakuläre Karriere gelang: Unter anderem fungierte Habicht als NSDAP-Chef in Wiesbaden, Organisator des Attentats auf den österreichischen Bundeskanzler Dollfuß (1934), Oberbürgermeister von Koblenz, Diplomat im Auswärtigen Amt. Wie agierten solche Nationalsozialisten als Truppenführer in der Wehrmacht? Und welche Rolle spielten ideologische Überzeugungen überhaupt im Kriegsalltag? Zu solchen aktuellen Forschungsfragen eröffnet Habichts Tagebuch neue Zugänge. Das Forschungsvorhaben verspricht daher weiterführende Erkenntnisse über die Geschichte der Wehrmacht und ihrer Kriegführung gegen die Sowjetunion.

Das Forschungsprojekt wird von der Gerda Henkel Stiftung mit einem Forschungsstipendium und umfangreichen Sachmitteln gefördert. Es steht unter der Leitung von Prof. Dr. Sönke Neitzel und wird von Dr. Felix Römer bearbeitet.