Das Dritte Reich in der Erinnerung von Zeitzeugen

2005 ist auf vielfältige Weise des Endes des Zweiten Weltkriegs und des Unterganges des Dritten Reiches gedacht worden. In den Diskussionen über Inhalt und Form des Gedenkens wurde jedoch bisher nicht in hinreichendem Maße berücksichtigt, wie sich die Zeitzeugengeneration, die den Nationalsozialismus bewusst miterlebt hat, an die Zeit von 1933 bis 1945 erinnert. Das Projekt „Das Dritte Reich in der Erinnerung von Zeitzeugen“ will diese Lücke schließen und ein differenziertes Bild der Zeitzeugenerinnerung erarbeiten. Die Gerda-Henkel-Stiftung unterstützt dieses Forschungsprojekt unter Leitung von Prof. Dr. Sönke Neitzel vom Historischen Seminar der Johannes Gutenberg-Universität Mainz mit 57.000 Euro.

In der Forschung ist die aufgeworfene Problematik zwar bereits behandelt worden, allerdings ohne dass hierfür eine breite Quellenbasis als notwendige Voraussetzung für ein qualitatives Erinnerungsbild zu Verfügung gestanden hätte. Dank der tatkräftigen Unterstützung des Leiters der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte, Prof. Dr. Guido Knopp sowie des Intendanten des ZDF, Prof. Markus Schächter, kann im Rahmen des Projekts diese Problematik erstmals gelöst werden. Das ZDF hat dem im November 2001 unter der Leitung von Guido Knopp gegründeten gemeinnützigen Verein „Die Augen der Geschichte“ die Möglichkeit gegeben, den großen Bestand an Zeitzeugeninterviews für Bildungszwecke mit zu nutzen. Der Verein hat nun einer  Mainzer Forschergruppe den Interviewbestand zur Verfügung gestellt, der im Zuge von zahlreichen Dokumentationen, wie etwa „Hitler – eine Bilanz“, „Hitlers Helfer“, „Stalingrad“, „Die Befreiung“, „100 Jahre – der Countdown“ bzw. des wöchentlichen Magazin „History“ seit 1984 entstanden ist.

Unter der Koordinierung von Prof. Dr. Sönke Neitzel von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz erfasste eine fünfköpfige Forschungsgruppe seit dem 1. August 1305 Interviews in einer Datenbank hinsichtlich personenbezogener, ereignisgeschichtlich-thematischer sowie auf erfahrungsgeschichtlicher Erinnerungen. Diese erste Phase der Aufbereitung der Interviews ist im Dezember 2005 abgeschlossen worden.

In der zweiten Phase, die sich bis Ende 2007 erstreckt, gilt es für den Bearbeiter des Projektes, Marc J. Philipp, die mannigfachen Erlebnisse, Erfahrungen und Informationen der Zeitzeugen anhand der verschiedenen inhaltlichen Phänomene zu untersuchen und in Form einer Dissertation darzustellen. Zum Abschluss sollen die zentralen Forschungsergebnisse auf einer  wissenschaftlichen Tagung zum Thema „Das kommunikative und kulturelle Gedächtnis der Deutschen an das Dritte Reich“ präsentiert werden.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Sönke Neitzel
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