Roma docta. Studieren im Rom der Renaissance.

Obgleich in Rom mit dem Studium Urbis (heute Universität La Sapienza) sowie der Kurienuniversität seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts zwei Hohen Schulen existierten (jedenfalls wenn Papst und Kurie präsent waren), spielten die Stadt und ihre Universitäten in der vergleichenden europäischen Bildungs- und Universitätsgeschichte lange Zeit keine nennenswerte Rolle. Seit einigen Jahren werden verstärkt Anstrengungen unternommen, eine Neubewertung dieser Hohen Schulen sowie des „Studienorts Rom“ insgesamt vorzunehmen.

 

Dass Rom als attraktiver Studienort für Studierende aus dem nordalpinen Reichsgebiet, aus Frankreich Spanien und anderen europäischen Ländern lange Zeit nicht ernsthaft in den Blick genommen wurde, ist zunächst einmal der Quellenarmut vor Ort geschuldet, denn nahezu alle Universitätsakten und insbesondere Personenlisten sind bis zum Sacco di Roma verloren. Angesichts dieser Überlieferungssituation stellt sich die Frage, ob und inwieweit das lange Zeit festgeschriebene Urteil über die geringe überregionale Bedeutung der römischen studia nicht in hohem Maße durch diese Quellenverluste konditioniert wurde. Ferner dürfte die Rom vielfach immer noch zugeschrieben Dekadenz in vorreformatorischer Zeit das Interesse an universitätsgeschichtlichen Forschungen zum 15. und beginnenden 16. Jahrhundert behindert haben. Unterdessen wird immer deutlicher, dass Rom nach der Rückkehr von Papst und Kurie sich zu einer immer kosmopolitischer werdenden Stadt und einem interessanten Studienort entwickelte. Zu dieser Einsicht trägen die Auswertung bisher wenig beachteter für die römischen Universitäten aber einschlägiger Quellegattungen bei, wie die römischen Notariatsregister und die päpstliche Registerüberlieferung sowie ferner die Sichtung von in zahlreichen europäischen Archiven erhaltenen Zeugnissen zu den römischen Hohen Schulen. Im Frühjahr 2012 wurde am DHI in Rom die unterdessen in Gang gekommene internationale Forschung bilanziert. Zugleich wurde deutlich, welche enormen Chancen sich bei diesem Thema über engere institutsgeschichtliche Aspekte hinaus für Studien zu Phänomenen des kulturellen Transfers zwischen dem Norden und Süden Europas bieten.

 

Publikationen:

Michael Matheus, Roma e Magonza. Università italiane e tedesche nel XV e all' inizio del XVI secolo, in: Bullettino dell'Istituto Storico Italiano per il Medio Evo 108 (2006), S. 123-163.

Michael Matheus, Rom und Mainz. Italienische und deutsche Universitäten im 15. und beginnenden 16. Jahrhundert, in: Römische Quartalschrift für Christliche Altertumskunde und Kirchengeschichte 102/1-2 (2007), S. 47-75.

Michael Matheus, Pomponius Letus e gli Ultramontani, in: Pomponio Leto e la prima Accademia Romana, Giornata di Studi (Roma, 2 dicembre 2005), hg. von Chiara Cassiani/ Myriam Chiabò, Roma 2007, S. 47-60.

Michael Matheus, Rom und die Frühgeschichte der Mainzer Universität, in: Mainz im Mittelalter, hg. von Mechthild Dreyer/Jörg Rogge, Mainz 2009, S. 214-232.

Michael Matheus, Roma docta. Rom als Studienort in der Renaissance, in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 90 (2010), S. 128-168.

Michael Matheus, Nikolaus von Kues, seine Familiaren und die Anima, in: S. Maria dell’Anima. Zur Geschichte einer „deutschen“ Stiftung in Rom (Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom 121) hg. von Michael Matheus, Berlin/New York 2010, S. 21-41.

Michael Matheus/Anna Esposito, Maestri e studenti presso gli Studia a Roma nel Rinascimento, con particolare riferimento agli studenti ultramontani, in: Über Mobilität von Studenten und Gelehrten zwischen dem Reich und Italien (1400–1600) (Repertorium Academicum Germanicum (RAG) – Forschungen 1) hg. von Suse Andresen/Rainer C. Schwinges, Zürich 2011, S. 81-96 (Online-Ressource: www.vdf.ethz.ch/service/3342/3342_Ueber-Mobilitaet-von-Studenten-und-Gelehrten_OA.pdf).

Michael Matheus, Fonti vaticane e storia dell'università in Europa, in: Europa e Italia. Studi in onore di Giorgio Chittolini/Europe and Italy. Studies in honour of Giorgio Chittolini (Reti Medievali. E-Book 15), hg. von Paola Guglielmotti/Isabella Lazzarini/Gian M. Varanini, Firenze 2011, S. 275-293.

Michael Matheus, Universitari provenienti dall´area germanica nei centri di studio italiani. Annotazioni storiografiche, in: Scritti di storia medievale offerti a Maria Consiglia de Matteis (Uomini e mondi medievali 27), hg. von Berardo Pio, Spoleto 2011, S.381-394.

Michael Matheus, Rom, in: Europäische Erinnerungsorte 2. Das Haus Europa, hg. von Pim den Boer/Heinz Duchhardt/Georg Kreis/Wolfgang Schmale, München 2012, S. 263-279.

Michael Matheus/Ludwig Schmugge, Echternach Roma Treviri. Tappe di una carriera accademica nel Rinascimento, in: Roma e il Papato nel Medioevo. Studi in Onore di Massimo Miglio Bd. 1: Percezioni, Scambi, Pratiche (Storia e Letteratura, Raccolta di Studi e Testi 275), hg. von Amedeo De Vincentiis, Roma 2012, S. 491-523.

Michael Matheus, Ludolf von Enschringen. Ein Humanist zwischen Trier und Rom, in: Pro multis beneficiis. Festschrift für Friedhelm Burgard. Forschungen zur Geschichte der Juden und des Trierer Raums (Trierer Historische Forschungen 68), hg. von Sigrid Hirbodian/Christian Jörg/Sabine Klapp/Jörg R. Müller, Trier 2012, S. 349-368.

Michael Matheus, Vatikanische Quellen und europäische Universitätsgeschichte, in: Friedensnobelpreis und historische Grundlagenforschung. Ludwig Quidde und die Erschließung der kurialen Registerüberlieferung (Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom 124), hg. von Michael Matheus, Berlin/Boston 2012, S. 303-322.

Michael Matheus, Registri di curia e lauree „romane“ di ultramontani, in: Lauree. Università e gradi accademici in Italia nel medioevo e nella prima età moderna (Studi. Centro interuniversitario per la storia delle università italiene 22), hg. von Anna Esposito/Umberto Longo, Bologna 2013, S. 1-9.

Michael Matheus, Germania in Italia. Incontri fra storici nel contesto internazionale, Rom 2015.

Michael Matheus, Roma docta. Northern Europeans and Academic Life in the Renaissance (ca. 300 Seiten, in Vorbereitung).

Studieren im Rom der Renaissance, hg. von Michael Matheus/Rainer C. Schwinges (in Vorbereitung).