Drittmittelprojekte

1. Allgemeine Hinweise

Die im Folgenden beschriebenen, drittmittelgeförderten Forschungsprojekte stellen naturgemäß nur einen Ausschnitt des Forschungsspektrums des Historischen Seminars dar. Weitere Aktivitäten finden Sie auf den Seiten der verschiedenen Arbeitsbereiche im Historischen Seminar.

2. Prozesse politischer Integration (18.-20. Jahrhundert)

Die Doktorandengruppe "Prozesse politischer Integration (18.-20. Jahrhundert)" ist im Rahmen der Initiative "PRO Geistes- und Sozialwissenschaften 2015" der Johannes Gutenberg-Universität Mainz konstituiert worden und wird von den Neuzeitabteilungen des Mainzer Historischen Seminars (Frühe Neuzeit, Osteuropäische Geschichte, Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Zeitgeschichte) getragen. Sie wird in historischen Fallstudien Prozesse politischer Integration untersuchen und den mittelfristigen Integrationserfolg, d.h. die wachsende Interaktionsdichte von Mitgliedern der neu entstandenen politischen Gemeinschaften, analysieren, indem sie in historischen Fallstudien sowohl nach der jeweils spezifischen Einbindung von Personengruppen als auch nach dem Aufbau struktureller Rahmenbedingungen in Recht, Wirtschaft, Verwaltung und Verkehr fragt.

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3. Graduiertenkolleg "Die christlichen Kirchen vor der Herausforderung Europa (1890 bis zur Gegenwart)"

Anfang November 2008 hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) das gemeinsam von derJohannes Gutenberg-Universität und dem Institut für Europäische Geschichte beantragte Graduiertenkolleg 1575 "Die christlichen Kirchen vor der Herausforderung ›Europa‹ (1890 bis zur Gegenwart)" genehmigt. Im Zentrum des Forschungsinteresses des Graduiertenkollegs steht die Frage, wie sich das christlich grundierte Gesellschaftsmodell im Prisma der "europäischen Herausforderung" im Zeitraum von der Wilhelminischen Zeit bis zur Gegenwart entwickelte und veränderte. In einem engeren Sinn geht es um die Reaktionen der christlichen Kirchen in den europäischen Staaten und diejenigen ihrer Organisationen und Trägerschichten auf den Gedanken der europäischen Einigung und den tatsächlichen Europäisierungsprozess sowie darum, wie die Herausforderung "Europa" die Kirchen (in ihrer Selbstverortung, institutionell und in Formulierung und Wahrnehmung ihrer Aufgaben) veränderte.

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4. Handbuch der "Geschichte von Rheinland-Pfalz"

Ein wissenschaftliches Handbuch der Geschichte des Raumes Rheinland-Pfalz existiert bisher nicht. Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz werden, unterstützt durch die Kommission des Landtages für die Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz und unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Michael Kißener, diese Lücken in den nächsten Jahren mit einem auf zwei Bände angelegten Handbuchprojekt füllen. In dieser Zeit wollen die Wissenschaftler die historische Entwicklung des Raumes Rheinland-Pfalz von der Vor- und Frühgeschichte bis zur Gegenwart erforschen und darstellen und dabei die spezifische Entwicklung aller Landesteile und Regionen berücksichtigen.

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5. Werte und Wertewandel in Moderne und Postmoderne

Im 20. Jahrhundert haben sich nicht nur die politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Strukturen in Deutschland fundamental gewandelt, sondern auch die allgemein akzeptierten grundlegenden und handlungsleitenden Orientierungsstandards auf kollektiver und individueller Ebene: in Bezug auf Privatheitsformen, Familien und Geschlechterbeziehungen ebenso wie im Bereich von Erziehung und Bildung, Einstellungen zur Arbeit, Militär und Zivilität, Staat und Nation, im Hinblick auf das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft bzw. Gemeinschaft bis hin zu Religion und Kirche oder Wirtschaftsdenken und Unternehmenskultur. Das DFG-geförderte Mainzer Projekt "Werte und Wertewandel in Moderne und Postmoderne" greift die losen Enden der sozialwissenschaftlichen Wertewandelsforschung einerseits und der historischen Bürgertumsforschung andererseits auf und verbindet sie in einer eigenen historisch-diachronen Perspektive: Wann, wie, wodurch und warum haben sich gesellschaftliche Wertsysteme verändert und welche Bedeutung haben Werte für den gesellschaftlich-kulturellen Wandel? Ist der "Wertewandel" seit den 1960er Jahren ein qualitativ neuartiges Phänomen oder ist er ein Teil längerfristiger Wandlungsprozesse innerhalb der industriegesellschaftlichen Moderne? Im Zentrum steht die Frage nach der Entwicklung, nach Erosion oder Gestaltwandel "bürgerlicher Werte" im 20. Jahrhundert, nach ihren Mechanismen und ihren Ursachen.

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6. Referenzrahmen des Krieges. Interdisziplinäres Forschungsprojekt zu Wahrnehmungen und Deutungen von Soldaten der Achsenmächte 1939-1945

Die Erinnerung an die Zeit von 1939 bis 1945 ist mittlerweile gut erforscht. Dennoch gibt es noch immer große Wissenslücken: Wie die Zeitgenossen damals Krieg und Politik wahrgenommen haben, wie sie über ihn dachten, ihn deuteten, ist kaum bekannt. Tagebücher stehen nur in sehr begrenztem Umfang zur Verfügung, Briefe sind in ihrem Aussagewert meist sehr beschränkt. Das von dem Mainzer Zeithistoriker Prof. Dr. Sönke Neitzel und dem Essener Sozialpsychologen Prof. Dr. Harald Welzer in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Historischen Institut in Rom geleitete Projekt rekonstruiert nun erstmals umfassend, wie deutsche und italienische Soldaten den Krieg wahrgenommen haben, als er geschah, indem es einen von der Forschung noch nicht genutzten Quellenkorpus auswertet: Zum einen handelt es sich um Abhörprotokolle von Gesprächen deutscher und italienischer Kriegsgefangener in britischem Gewahrsam, die in den Jahren 1940 bis 1943/45 entstanden sind. Dieser ungeheuer facettenreiche Bestand wird mit dem interdisziplinären Ansatz der Referenzrahmenanalyse erschlossen und ausgewertet. Zum anderen werden Abhörprotokolle von Gesprächen deutscher Kriegsgefangener in amerikanischem Gewahrsam, die in den Jahren 1942 bis 1945 entstanden sind, ausgewertet. Auf diesem Wege soll rekonstruiert werden, wie die Angehörigen der Wehrmacht zeitgenössische Situationen während des Zweiten Weltkrieges wahrgenommen und gedeutet haben, was nicht zuletzt dazu dient, ihr Entscheidungsverhalten zu ergründen.

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7. DFG-Projekt: Das ,Russische’ im lettischen Kontext: Russische Identitätsbildungen in Lettland 1914-1940

Wer sind die Russen in Lettland und was ist das Besondere an ihnen? Was bedeuten ‚Russischsein‘ und ‚russische Identität‘ im Kontext der Geschichte Lettlands? Diese Fragen stellen sich heute in Lettland Soziologen und Politiker, die sich mit den Integrationsproblemen beschäftigen, aber auch die russischsprachige Bevölkerung. Historisch betrachtet sind diese Fragen nicht neu und leiten sich nicht nur aus der unmittelbaren sowjetischen Vergangenheit Lettlands ab. Um sich der Antwort auf diese sehr aktuellen Fragen in der historischen Perspektive zu nähern, will sich das Forschungsvorhaben mit den Konstruktionen russischer Identitäten in Lettland in den sich ständig wandelnden politischen Konstellationen und lebensweltlichen Situationen in der Zeit zwischen dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 und dem Ende des lettischen Staates 1940 beschäftigen, also jener Zeit, die nach der Zugehörigkeit des Territoriums Lettlands zum Russländischen Reich und vor der sukzessiven Inkorporation in die Sowjetunion für die lettische Nationsbildung ernorm bedeutsam war und gegenwärtig den historischen Hauptbezugspunkt im öffentlichen Diskurs bildet. Für die russische Minderheit in Lettland ging es in dieser Zeit um eine Neuorientierung in veränderten machtpolitischen sowie lebensweltlichen Zusammenhängen. Um diese zu erfassen, soll die Rolle der russischen Schulen, Vereine sowie der russischen orthodoxen Kirche beim Prozess der Herausbildung russischer Identitäten in Lettland und bei der Konsolidierung der Russen als ethnische Gruppe untersucht und ausgewertet werden. 

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8. Baltische Geschichte als Kampfplatz nationaler Narrative in der Zwischenkriegszeit: Die Herausforderung der deutschbaltischen Historiographie durch Robert Ju. Vipper in seiner Geschichte des lettischen Volkes vom 12.-16. Jahrhundert

Der besonderen Bedeutung der Geschichtswissenschaft für das eigene „nationbuilding“ war man sich in der 1918 neugegründeten Republik Lettland von Anfang an bewusst. Der russische Historiker Robert Ju. Vipper, der vor seiner Emigration nach Lettland in Odessa und Moskau als Professor gewirkt hatte, sollte eine bedeutende Rolle für die Konstituierung einer nationallettischen Historiographie in methodischer Hinsicht wie auch als Lehrer der ersten Generation lettischer Historiker spielen. In seiner wissenschaftlichen Arbeit setzte er sich äußerst kritisch mit der Rolle der Deutschen in der baltischen Geschichte und der baltischen Geschichtsschreibung auseinander. Im Rahmen des 2015/2016 durch die BKM geförderten Projekts von Maike Sach, Jan Kusber (Mainz) und Ilgvars Misāns (Riga) soll ein bisher unveröffentlichter Vorlesungszyklus Vippers in deutscher Übersetzung zugänglich gemacht, wissenschaftlich kommentiert und historisch eingeordnet werden.

Bearbeiterin: Dr. Maike Sach (Osteuropäische Geschichte)

9. Schulden, Reformen, Kriege. Russlands Staatsfinanzen in der Zeit der Napoleonischen Kriege 1796-1816

Warum musste Russland aufgrund des enormen finanziellen Drucks während des Angriffs der ,Grande Armée‘ Napoléons 1812 keinen Staatsbankrott anmelden? Das von 2015 bis 2018 von der DFG geförderte Projekt Benjamin Conrads beschäftigt sich mit der seit 1796 immer schwieriger werdenden finanziellen Lage Russlands und leistet dabei auf dem lange nicht bearbeiteten Feld der Staatsfinanzen Russlands einen Beitrag zur Beantwortung der Frage nach dem ,Funktionieren des Russländischen Imperiums‘

Bearbeiter: Dr. Benjamin Conrad (Osteuropäische Geschichte)